St. Sebastian Kirche Niedersalwey

St. Sebastian in Niedersalwey – eine Kirche, die aus der Dorfgemeinschaft entstand
Wer heute auf die St.-Sebastian-Kirche in Niedersalwey blickt, sieht ein Gotteshaus, das längst selbstverständlich zum Ortsbild des Salweytals gehört. Ihre Geschichte ist vergleichsweise jung – und dennoch eng mit einer jahrhundertealten kirchlichen Tradition in Salwey verbunden.
Bevor St. Sebastian gebaut wurde, war die alte St.-Quirinus-Kapelle über Jahrhunderte das Gotteshaus für Niedersalwey. Als Ende des 19. Jahrhunderts für Nieder- und Obersalwey ein eigener Gottesdienst eingerichtet und 1901 die Kirchengemeinde Salwey gebildet wurde, diente weiterhin die mittelalterliche Kapelle als Kirche.
Doch schon damals zeigte sich, dass sie für die wachsende Gemeinde auf Dauer zu klein war. Veränderungen im Innenraum und der Einbau einer Empore konnten das Platzproblem nur vorübergehend lösen.
Der Wunsch nach einer neuen Kirche
Der Gedanke an einen Kirchenneubau entstand deshalb nicht erst in den 1950er-Jahren. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg gab es entsprechende Überlegungen. Nach Kriegsende wurden die Pläne erneut aufgegriffen, doch Inflation und Geldentwertung machten eine Umsetzung zunächst unmöglich.
1937 nahm Pfarrvikar Otto Günnewich das Vorhaben erneut in Angriff. Dabei wurde zunächst auch untersucht, ob sich die alte Quirinuskapelle vergrößern ließe. Verschiedene Entwürfe zeigten jedoch, dass sich auf diesem Weg keine wirklich zufriedenstellende Lösung erreichen ließ.
Die politischen Entwicklungen und schließlich der Zweite Weltkrieg beendeten auch diesen Versuch.
Nach dem Krieg kommt Bewegung in die Planungen
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Wunsch nach einem größeren Gotteshaus erneut aufgegriffen. Besonders eine Mission im Jahr 1949 gab dem Kirchenbauprojekt neuen Auftrieb.
Durch Grundstückskäufe und Tauschgeschäfte konnte schließlich neben der damaligen Vikarie ein geeigneter Bauplatz geschaffen werden. Die Lage war bewusst gewählt: Die neue Kirche sollte gut sichtbar im Salweytal stehen und zum kirchlichen Mittelpunkt für Nieder- und Obersalwey werden.
Mit der Planung wurde der Mescheder Architekt Joseph Iseken beauftragt. Nachdem die notwendigen Genehmigungen vorlagen, konnte 1956 endlich mit dem Bau begonnen werden.
Ein Gemeinschaftswerk von Nieder- und Obersalwey
Was nun begann, war weit mehr als ein gewöhnliches Bauprojekt. Die Menschen aus Nieder- und Obersalwey beteiligten sich mit Geld, Material und zahlreichen freiwilligen Arbeitsstunden am Bau ihrer neuen Kirche.
Erdarbeiten wurden unterstützt, Baumaterial herangeschafft und Bauholz aus den heimischen Wäldern zur Verfügung gestellt. Überliefert ist, dass rund 200 Festmeter Holz von Einwohnern gestiftet wurden.
Auch heimische Handwerksbetriebe waren maßgeblich beteiligt. Damit entstand St. Sebastian nicht einfach nur in Salwey – die Kirche wurde zu einem großen Teil von den Menschen des Salweytals gemeinsam geschaffen.
Die Grundsteinlegung am 8. Juli 1956
Am Sonntag, dem 8. Juli 1956, erlebte die Kirchengemeinde einen ihrer großen Tage. Um 16 Uhr wurde der Grundstein der neuen St.-Sebastian-Kirche feierlich gelegt.
Dechant Wilhelm Schmidt aus Calle nahm die Grundsteinlegung im Auftrag des Erzbischofs vor. Zahlreiche Einwohner begleiteten die Feier.
Der Grundstein besteht aus Anröchter Sandstein und trägt die Jahreszahl 1956. In seinem Inneren wurde eine verschlossene Kapsel hinterlegt. Sie enthielt unter anderem eine auf Pergament geschriebene Urkunde, damals gültige Münzen, ein Bild der Gemeinde Salwey sowie statistische Angaben aus jener Zeit.
Die Salweyer des Jahres 1956 hinterließen damit ganz bewusst ein Stück ihrer eigenen Zeit im Fundament der neuen Kirche.
Die Kirche wächst
Nach der Grundsteinlegung gingen die Arbeiten zügig weiter. Bereits im August 1956 erreichten die Mauern des Kirchenschiffs ihre volle Höhe.
Im September begannen die Zimmerarbeiten am Dachstuhl. Schon am 23. September 1956 konnte Richtfest gefeiert werden. Eine Andacht sowie eine anschließende Feier im damaligen Vereinshaus begleiteten diesen wichtigen Bauabschnitt.
Am 5. Oktober waren die Maurerarbeiten am Rohbau abgeschlossen. Während des Winters ruhten große Teile der Arbeiten, bevor im Frühjahr 1957 der Innenausbau fortgesetzt wurde.
Innenputz, Gewölbe, Schieferarbeiten und zahlreiche weitere Arbeiten folgten. Am 3. Juni 1957 wurde schließlich der Turmhahn aufgesetzt – die neue Kirche nahm nun auch äußerlich ihre endgültige Gestalt an.
Drei neue Glocken für Salwey
Im Juli 1957 fiel die Entscheidung für ein dreistimmiges Gussstahlgeläut in den Tönen e′, g′ und a′.
Die drei Glocken erhielten die Namen St. Sebastian, Maria und St. Josef. Am 26. Oktober 1957 trafen sie in Salwey ein. Bereits einen Tag später wurden sie feierlich geweiht.
Seitdem gehört ihr Klang zum Leben im Salweytal und ist weit über Niedersalwey hinaus zu hören.
10. November 1957 – die neue Kirche wird geweiht
Nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit war das große Ziel erreicht.
Am Sonntag, dem 10. November 1957, wurde die neue St.-Sebastian-Kirche durch den Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger feierlich konsekriert.
Zahlreiche Einwohner sowie Gäste aus den umliegenden Orten nahmen an den Weihefeierlichkeiten teil. Für die Menschen aus Nieder- und Obersalwey erfüllte sich damit ein Wunsch, der die Gemeinde bereits seit mehreren Jahrzehnten begleitet hatte.
Die mittelalterliche St.-Quirinus-Kapelle hatte über Jahrhunderte als Gotteshaus gedient. Von nun an wurde St. Sebastian zum Mittelpunkt des kirchlichen Lebens im Salweytal.
Die Erinnerung an Pfarrvikar Otto Günnewich
Eng mit der Vorgeschichte des Kirchenneubaus verbunden ist Pfarrvikar Otto Günnewich. Er hatte sich bereits ab 1937 intensiv für die Wiederaufnahme der Kirchenbaupläne eingesetzt.
Die spätere Umsetzung seines Vorhabens erlebte er nicht mehr. Nach einem Konflikt mit den nationalsozialistischen Behörden im Zusammenhang mit der Fronleichnamsprozession wurde Günnewich 1941 verhaftet und später in das Konzentrationslager Dachau gebracht.
Am 10. August 1942 wurde er im Rahmen eines sogenannten Invalidentransports nach Schloss Hartheim gebracht und dort ermordet.
Seit 1967 erinnert auf dem Kirchplatz in Niedersalwey eine Gedenkstätte an den früheren Pfarrvikar. Sein Andenken wird bis heute in Salwey bewahrt.
Der Innenraum verändert sich
Auch nach der Kirchweihe entwickelte sich St. Sebastian weiter.
Eine besonders umfangreiche Veränderung erfolgte 1997. Der Chorraum wurde entsprechend den liturgischen Vorgaben nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil grundlegend neu gestaltet.
Die Kirche erhielt unter anderem einen neuen Altar, eine neue Tabernakelstelle, einen Ambo, einen Priestersitz und Säulen für Leuchter. Zuvor hatte rund drei Jahrzehnte lang ein Holzaltar als Übergangslösung gedient.
Auch der Eingangsbereich wurde verändert. Es entstand ein größerer Vorraum und ein barrierefreier Seiteneingang, der den Zugang zur Kirche erheblich erleichtert.
Bis heute Mittelpunkt des kirchlichen Lebens
St. Sebastian ist bis heute das zentrale Gotteshaus der katholischen Kirchengemeinde Salwey.
Hier werden Gottesdienste und Wort-Gottes-Feiern gehalten, Hochzeiten und besondere kirchliche Anlässe gefeiert und zahlreiche Traditionen des Dorfes gepflegt.
Die Kirche ist dabei nicht nur während der Gottesdienste ein Ort des Glaubens. Sie ist auch ein Ort der Ruhe, der Erinnerung und der Begegnung.
Besonders in der Advents- und Weihnachtszeit zieht die traditionell aufgebaute Krippe Besucher aus Salwey und der Umgebung an.
Eine Kirche, die zum Salweytal gehört
St. Sebastian ist heute weit mehr als ein Kirchenbau aus den 1950er-Jahren.
Ihre Geschichte erzählt von einem jahrzehntelangen Wunsch nach einem größeren Gotteshaus, von Rückschlägen durch Krieg und wirtschaftliche Not – vor allem aber von der großen Gemeinschaftsleistung der Menschen aus Nieder- und Obersalwey.
Viele Einwohner halfen mit eigenen Händen, stellten Holz und Material zur Verfügung oder unterstützten den Bau finanziell.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum St. Sebastian bis heute so fest zum Salweytal gehört: Die Kirche wurde nicht nur für die Menschen gebaut. Sie wurde von ihnen mit aufgebaut.
Die Geschichte von St. Sebastian im Überblick
Von den ersten Überlegungen zu einem größeren Gotteshaus bis zur heutigen Kirche war es ein langer Weg. Die wichtigsten Stationen der Salweyer Kirchengeschichte haben wir hier chronologisch zusammengefasst.
Für Nieder- und Obersalwey wird ein eigener Gottesdienst eingerichtet. Die alte St.-Quirinus-Kapelle dient weiterhin als Gotteshaus.
Die Kirchengemeinde Salwey wird gebildet. Schon zu dieser Zeit zeigt sich, dass die Quirinuskapelle für die Gemeinde auf Dauer zu klein ist.
Erste konkrete Überlegungen zum Bau einer größeren Kirche entstehen.
Die Kirchenbaupläne werden erneut aufgegriffen. Inflation und Geldentwertung verhindern jedoch eine Umsetzung.
Pfarrvikar Otto Günnewich greift das Kirchenbauprojekt erneut auf. Auch eine mögliche Erweiterung der alten Quirinuskapelle wird untersucht.
Der Zweite Weltkrieg beendet zunächst alle weiteren Planungen.
Eine Mission gibt dem Wunsch nach einem neuen Gotteshaus entscheidenden neuen Auftrieb.
Nach jahrzehntelangen Planungen beginnt endlich der Bau der neuen St.-Sebastian-Kirche.
Die Fundamentgruben werden begradigt und für die kommenden Arbeiten vorbereitet.
Freiwillige Helfer beseitigen den Aushub. Auch Arbeiten an der Wasserleitung werden in Eigenleistung durchgeführt.
Beginn der eigentlichen Bauarbeiten und Herstellung der Fundamente aus Splittbeton.
Die Mauerarbeiten an der Südwestecke und unterhalb des Chores beginnen.
Rund um das Gebäude ist Bodenhöhe erreicht. Unter dem Chor sind die Mauern bereits hochgezogen und erste Betondecken werden gegossen.
Feierliche Grundsteinlegung der neuen Kirche um 16 Uhr durch Dechant Wilhelm Schmidt aus Calle.
Die Maurerarbeiten werden mit voller Mannschaft fortgesetzt.
Schalung und Eisenkonstruktion für die spätere Empore werden eingebaut.
Die Empore wird betoniert. Gleichzeitig wachsen Nordwand und Chor weiter.
Der Triumphbogen am Eingang zum Chor wird geschlossen.
Das Kirchenschiff hat seine volle Höhe erreicht. Gleichzeitig schreitet der Bau des Kirchturms voran.
Die Zimmerarbeiten am Dachstuhl beginnen.
Das Dachgerüst über Kirchenschiff, Turm, Sakristei und Vorbauten wird fertiggestellt.
Richtfest der neuen St.-Sebastian-Kirche. Eine Andacht und eine anschließende Feier im damaligen Vereinshaus begleiten den wichtigen Bauabschnitt.
Die Maurerarbeiten am Rohbau sind abgeschlossen.
Die Dacharbeiten beginnen und die Montage der Dachrinnen wird vorbereitet.
Ein schwerer Sturm drückt das Baugerüst am Turm gegen das Gebäude. Dabei wird unter anderem die Dachrinne leicht beschädigt.
Der Innenausbau beginnt und die Kirche wird innerhalb weniger Monate fertiggestellt.
Die Arbeiten werden nach dem Winter wieder aufgenommen. Der Bau des Rabitzgewölbes beginnt.
Beginn der Innenputzarbeiten.
Das Kirchendach und anschließend der Turm werden eingeschiefert.
Der Turmhahn wird aufgesetzt.
Entscheidung für drei Gussstahlglocken in den Tönen e′, g′ und a′.
Die neue Kirche steht erstmals vollständig ohne Baugerüst.
Die drei neuen Glocken St. Sebastian, Maria und St. Josef treffen in Salwey ein.
Feierliche Weihe der drei neuen Glocken.
Der Paderborner Erzbischof Lorenz Jaeger konsekriert die neue St.-Sebastian-Kirche. Nach jahrzehntelangen Planungen besitzt Salwey nun sein neues Gotteshaus.
Auf dem Kirchplatz wird eine Gedenkstätte für den früheren Salweyer Pfarrvikar Otto Günnewich errichtet.
Das frühere Missionskreuz im Bereich des Haupteingangs wird auf den Schellenberg versetzt.
Der Chorraum wird grundlegend neu gestaltet. Unter anderem entstehen ein neuer Altar, eine neue Tabernakelstelle, ein Ambo und ein neuer Priestersitz. Gleichzeitig werden der Eingangsbereich umgebaut und ein barrierefreier Seiteneingang geschaffen.
St. Sebastian ist weiterhin das zentrale Gotteshaus der Kirchengemeinde Salwey und ein fester Bestandteil des kirchlichen und dörflichen Lebens im Salweytal.
Übersicht

59889 Eslohe - Niedersalwey
Der OpenStreetMap-Dienst ist erforderlich, um diese Karte zu laden.
Öffnungszeiten
-
Monday - SonntagAm Tag geöffnet - Seiteneingang Rampe
Pfarrer
-
E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. -
Telefon:
Pfarrbüro Salwey

-
E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. -
Telefon:










