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Salweyer Geschchte

Salwey ist mehr als Nieder- und Obersalwey, mehr als zwei Ortsschilder und mehr als ein Tal zwischen Homert und Hasenknick. Die Geschichte des Ortes lässt sich über viele Jahrhunderte zurückverfolgen – anhand alter Urkunden, Steuerregister, kirchlicher Bauwerke, adeliger Besitzungen und nicht zuletzt durch die Erinnerungen der Menschen, die hier gelebt haben.

Dabei darf eine Jahreszahl nicht falsch verstanden werden: 1354 gilt als erste bekannte urkundliche Erwähnung Salweys. Das bedeutet nicht, dass der Ort damals gegründet wurde. Dass Menschen hier bereits vorher lebten, zeigt schon die alte Quirinuskapelle in Niedersalwey, deren Ursprünge bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurückreichen.

Ein Gotteshaus, das älter ist als die erste Urkunde

Wer heute an der alten St.-Quirinus-Kapelle in Niedersalwey vorbeikommt, steht vor einem der wichtigsten steinernen Zeugnisse der Salweyer Geschichte. Nach Angaben des Pastoralverbundes Schmallenberg-Eslohe entstand die Kapelle bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sie gilt wahrscheinlich als das älteste erhaltene Gebäude in der heutigen Gemeinde Eslohe.

Der kleine frühgotische Saalbau hat die Jahrhunderte in seiner Grundform erstaunlich unverändert überstanden. Die Kapelle ist etwa 21 Meter lang und besitzt drei schmale Joche mit Kreuzgratgewölben. Von ihrer mittelalterlichen Ausstattung blieb allerdings nur wenig erhalten. Zerstörungen werden mit den kriegerischen Auseinandersetzungen während der Truchsessischen Wirren beziehungsweise des Dreißigjährigen Krieges in Verbindung gebracht. Später wurde die Kirche wiederhergestellt. Wandmalereien, deren Reste seit 1927 bekannt waren, wurden zwischen 1971 und 1973 freigelegt und konserviert. Seit 1985 steht die Kapelle unter Denkmalschutz; 2003 erfolgte eine umfangreiche Renovierung.

Allein dieses Gebäude zeigt: Als Salwey erstmals schriftlich in einer Urkunde auftauchte, gab es hier längst ein dörfliches und kirchliches Leben.

1354

Salwey tritt in die schriftliche Geschichte ein

Am 14. Februar 1354 wird Salwey erstmals urkundlich erwähnt. Diese Jahreszahl bildet deshalb bis heute einen wichtigen Fixpunkt der Ortsgeschichte und war auch Grundlage für das 650-jährige Jubiläum zu Beginn des neuen Jahrtausends.

Über das Aussehen des damaligen Dorfes wissen wir naturgemäß wenig. Straßen, Häuser oder Hofstellen lassen sich für diese frühe Zeit nicht einfach mit dem heutigen Ortsbild vergleichen. Die Menschen lebten vor allem von Landwirtschaft, Viehhaltung, Wald und den Möglichkeiten, die ihnen das Tal und seine Gewässer boten.

Dass in der Gegend bereits früh gewirtschaftet wurde, zeigt ein weiterer bemerkenswerter Nachweis: Schon 1368 wird eine Mühle in Obersalwey urkundlich genannt. Damit reicht die belegte Geschichte dieses Mühlenstandortes nur wenige Jahre hinter die erste bekannte Erwähnung Salweys zurück. Wasserkraft war damit schon im Mittelalter ein Bestandteil des wirtschaftlichen Lebens im Salweytal.

1543

zwölf Steuerpflichtige in „NiddernSalwege“

Fast zwei Jahrhunderte später wird das Bild etwas konkreter. Besonders wertvoll für die Geschichtsforschung sind die sogenannten Schatzungsregister. Dabei handelte es sich um Steuerverzeichnisse, in denen die abgabepflichtigen Haushalte beziehungsweise Hofstellen erfasst wurden.

Im Schatzungsregister von 1543 finden sich für „NiddernSalwege“ zwölf Schatzungspflichtige. Zu den Personen mit den höchsten Abgaben gehörten Peter Fomme, Dietherich Glorich und Euerdt Wortman. Die Zahl der Steuerpflichtigen darf nicht einfach mit der Einwohnerzahl gleichgesetzt werden. Hinter einem Eintrag konnte eine ganze Familie mit Gesinde und weiteren zum Haushalt gehörenden Personen stehen. Dennoch vermittelt das Register einen Eindruck davon, wie überschaubar das damalige Dorf gewesen sein muss.

Solche Schatzungs- und Steuerregister sind heute für die westfälische Landesgeschichte von großer Bedeutung. Die Historische Kommission für Westfalen stellt die entsprechenden historischen Register inzwischen auch digital für die Forschung zur Verfügung.

Obersalwey und die Familie von Schade

Ein weiterer bedeutender Teil der Salweyer Geschichte ist eng mit Schloss Obersalwey und der Familie von Schade verbunden. Das Stammgut der Linie Schade-Salwey befand sich seit etwa 1500 am Rand des Ortes. Um 1540 kam Jost von Schade nach Obersalwey; in dieser Zeit entstand auch ein Vorgängerbau des heutigen Schlosses.

1820

Seine heute prägende Gestalt erhielt Schloss Obersalwey unter Wilhelm von Schade um 1820. Nach einem Brand wurde das Gebäude im 19. Jahrhundert wieder nach dem bisherigen Vorbild aufgebaut. Bis 1867 blieb der Besitz mit der Familie von Schade verbunden. Nach späteren Besitzerwechseln gelangte das Anwesen schließlich in den Zusammenhang der Familie von Spee. Heute befindet sich das Schloss in Privatbesitz. Seit 1984 steht es unter Denkmalschutz; ab 1985 wurde es umfassend renoviert.

Damit ist Schloss Obersalwey nicht nur ein markantes Gebäude im Tal. Seine Geschichte erzählt zugleich von den früheren Herrschafts-, Besitz- und Wirtschaftsverhältnissen im Sauerland.

Vom kleinen Kirchdorf zur heutigen Pfarrkirche

Über Jahrhunderte war die alte Quirinuskapelle das kirchliche Zentrum Niedersalweys. Mit der Entwicklung des Ortes wurde sie jedoch schließlich zu klein.

In den Jahren 1956 und 1957 entstand deshalb die heutige St.-Sebastian-Kirche. Im Frühjahr 1956 begannen die Arbeiten, am 8. Juli desselben Jahres wurde der Grundstein gelegt. Am 10. November 1957 konnte das neue Gotteshaus schließlich geweiht werden. 1997 wurde der Altarraum neu gestaltet.

Alte und neue Kirche stehen damit nur wenige Meter voneinander entfernt – und trotzdem liegen zwischen ihren Bauzeiten rund sieben Jahrhunderte Salweyer Geschichte.

1934

Pfarrer Otto Günnewich – ein dunkles Kapitel der Ortsgeschichte

Untrennbar mit Salwey verbunden ist auch die Erinnerung an Pfarrer Otto Günnewich. Er wurde am 4. April 1902 in Lügde geboren, 1930 in Paderborn zum Priester geweiht und kam 1934 nach Salwey. Dort gewann er nach den überlieferten Berichten schnell das Vertrauen der Bevölkerung.

Seine Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen Regime führte schließlich zur Verfolgung. Im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen um die Fronleichnamsprozession 1941 wurde Günnewich am 11. Juli 1941 festgenommen. Nach Haftstationen in Dortmund und Bochum wurde er am 21. November 1941 in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 28707 und wurde im sogenannten Priesterblock festgehalten. Zu einer gerichtlichen Anklage oder Verurteilung war es zuvor nicht gekommen.

Die Haftbedingungen und Zwangsarbeit schwächten ihn schwer. Schließlich wurde Günnewich als angeblich arbeitsunfähiger Häftling für einen sogenannten „Invalidentransport“ ausgesondert. Am 10. August 1942 wurde er in die NS-Tötungsanstalt Hartheim bei Linz gebracht und dort in der Gaskammer ermordet. Die offiziell angegebene Todesursache wurde von den Nationalsozialisten gefälscht.

Salwey hat Günnewich nicht vergessen. Seit 1967 erinnert auf dem Kirchplatz ein Denkmal an den früheren Seelsorger. Bis heute wird seiner in der Gemeinde gedacht.

Damit besitzt Salwey auch eine Geschichte, die weit über die Grenzen des Dorfes hinausweist – eine Geschichte von Verfolgung, Haltung und Erinnerung.

1966

Salwey bekommt sein eigenes Wappen

Ein sichtbares Zeichen der gemeinsamen Identität entstand 1966. In diesem Jahr wurde das heute bekannte Salweyer Wappen von Pfarrvikar Sander und dem Mendener Künstler Dr. Johannes Hohmann gestaltet.

Seine einzelnen Elemente wurden bewusst gewählt. Das schwarze Kreuz auf silbernem Grund verweist auf den Schutzpatron St. Sebastian. Eine silberne Wellenlinie steht für den Salweybach und das Tal. Die beiden Berge symbolisieren Homert und Hasenknick. Das Rot im unteren Bereich erinnert an Westfalen als „Land der roten Erde“. Ähre und Fichte stehen für die Landwirtschaft und Forstwirtschaft, die das Leben im Tal über lange Zeit geprägt haben.

Das Wappen sollte damit nicht einfach nur schmücken. Es fasste Landschaft, Religion, Arbeit und Heimatverbundenheit in einem gemeinsamen Zeichen zusammen – für Nieder- und Obersalwey.

1975

Salwey wird Teil der heutigen Gemeinde Eslohe

Auch verwaltungsgeschichtlich änderte sich im 20. Jahrhundert einiges. Mit der kommunalen Neugliederung zum 1. Januar 1975 wurde das damalige Amt Eslohe aufgelöst. Aus den bisherigen Gemeinden und weiteren Ortschaften entstand die heutige Gemeinde Eslohe. Nieder- und Obersalwey werden seitdem als eigenständige Ortsteile innerhalb der Gemeinde geführt.

Auf dem Papier sind es zwei Orte. Im täglichen Leben wird daraus jedoch häufig einfach Salwey. Vereine, Kirche, Veranstaltungen, Traditionen und zahlreiche gemeinsame Projekte verbinden beide Ortsteile seit Jahrzehnten.

Passend dazu trat Salwey auch beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ 2024 gemeinsam auf und erreichte in der Kategorie der Dörfer mit bis zu 700 Einwohnern den dritten Platz.

Wasser

Das Tal und sein Wasser

Der Name Salwey ist heute untrennbar mit dem Tal und dem gleichnamigen Bach verbunden. Der Salweybach durchzieht die Landschaft und prägt Nieder- und Obersalwey bis heute.

Über dem Tal erhebt sich die Homert. Mit rund 656 Metern über dem Meeresspiegel liegt hier der höchste Punkt der Gemeinde Eslohe. Die Landschaft wurde über Jahrzehnte mit dem Namen „Naturpark Homert“ verbunden. Dieser Begriff ist historisch nach wie vor geläufig, organisatorisch gehört das Gebiet heute jedoch zum Naturpark Sauerland-Rothaargebirge. Der frühere Naturpark Homert ging 2015 gemeinsam mit den Naturparken Ebbegebirge und Rothaargebirge in dem neuen, deutlich größeren Naturpark auf.

Unweit von Salwey liegt außerdem eine geografische Besonderheit: Im benachbarten Sieperting wurde 2009 der geografische Mittelpunkt der Region Südwestfalen bestimmt und mit einem Findling kenntlich gemacht. Damit liegt Salwey tatsächlich ziemlich genau im Herzen Südwestfalens.

Zwei Orte – eine Geschichte

Vielleicht beschreibt kaum ein Satz Salwey besser als der Titel der großen Salweyer Chronik: „650 Jahre – Zwei Orte, eine Geschichte“.

Anlässlich des 650-jährigen Jubiläums wurde die Geschichte von Nieder- und Obersalwey in umfangreicher Form zusammengetragen. Alte Dokumente, Fotografien, Familien- und Dorfgeschichten sowie zahlreiche Ereignisse wurden darin für kommende Generationen festgehalten. Die bibliografisch auch als „650 Jahre Niedersalwey – Obersalwey: Zwei Orte – eine Geschichte – Salweyer Chronik“ geführte Veröffentlichung erschien zum Jubiläumszeitraum und ist bis heute eine der wichtigsten Sammlungen zur Geschichte des Ortes.

Die Salweyer Chronik ist weiterhin beim Heimat- und Förderverein Salwey erhältlich. Auf der aktuellen Salwey-Aktiv-Seite wird sie zum Preis von 12 Euro angeboten; dort wird zugleich darauf hingewiesen, dass nur noch wenige Exemplare vorhanden sind. Wer sich intensiver mit der Geschichte des Dorfes, seinen Familien, Höfen und Ereignissen beschäftigen möchte, findet darin weit mehr, als auf einer Internetseite dargestellt werden kann.

Ansprechpartner für den Erwerb ist nach den örtlichen Angaben Thomas Tillmann aus Niedersalwey. Wer noch keine Chronik besitzt, sollte die Gelegenheit nutzen – denn wenn die verbliebenen Exemplare vergriffen sind, verschwindet damit zwar nicht die Geschichte Salweys, wohl aber eine der umfangreichsten gedruckten Sammlungen dazu.

Salwey in wichtigen Jahreszahlen

  • 2. Hälfte 13. Jahrhundert: Bau der heutigen St.-Quirinus-Kapelle in Niedersalwey.
  • 14. Februar 1354: Erste bekannte urkundliche Erwähnung Salweys.
  • 1368: Eine Mühle in Obersalwey wird urkundlich erwähnt.
  • um 1500: Stammgut der Linie Schade-Salwey in Obersalwey.
  • 1543: Zwölf Schatzungspflichtige werden für „NiddernSalwege“ verzeichnet.
  • um 1820: Schloss Obersalwey erhält seine prägende Gestalt.
  • 1934: Otto Günnewich kommt als Priester nach Salwey.
  • 1941: Günnewich wird von der Gestapo verhaftet.
  • 10. August 1942: Ermordung Otto Günnewichs in der NS-Tötungsanstalt Hartheim.
  • 1956/57: Bau der heutigen St.-Sebastian-Kirche.
  • 1966: Gestaltung des Salweyer Wappens.
  • 1967: Errichtung des Günnewich-Denkmals auf dem Kirchplatz.
  • 1. Januar 1975: Kommunale Neugliederung und Eingliederung in die heutige Gemeinde Eslohe.
  • 2003: Umfangreiche Renovierung der alten Quirinuskapelle.
  • 2004: 650 Jahre seit der ersten urkundlichen Erwähnung – die Salweyer Geschichte wird im Jubiläumszeitraum umfassend aufgearbeitet.
  • 2015: Der Naturpark Homert geht im neuen Naturpark Sauerland-Rothaargebirge auf.

Salwey hat sich in mehr als sechs Jahrhunderten urkundlich belegter Geschichte verändert. Aus kleinen Hofstellen wurden Dörfer, aus alten Wegen Straßen, aus einer kleinen Kapelle entstand zusätzlich eine große Pfarrkirche. Familien kamen und gingen, Herrschaftsverhältnisse änderten sich, Kriege hinterließen ihre Spuren und die Landwirtschaft verlor ihre einst alles bestimmende Rolle.

Geblieben sind das Tal, der Bach, die Berge – und vor allem die Verbindung zwischen den Menschen in Nieder- und Obersalwey.

Zwei Orte, eine Geschichte – und bis heute ein gemeinsames Salwey.

Unsere Buch-Tipps

650 Jahre Salwey - Die Chronik

käuflich zu Erwerben beim Heimat und Förderverein Salwey. 


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